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Armenien

In 17 Tage durch Armenien. Wirklich geplant haben wir vor der Einreise nichts. Auch dass wir tatsächlich nach 2 ½ Wochen in den Iran einreisen, war für uns anfangsweise noch nicht abzusehen.

 

Bevor ich mit unserem Bericht zur Reise durch Armenien beginne, möchte ich einen kleinen, sehr oberflächlicher Exkurs zur Geschichte Armeniens wagen, da die Konflikte des Landes aus den letzten Jahrzehnten noch bis heute andauern. Armenien ist als Land, zwischen Georgien und dem Iran, ein Nachbar der Türkei und wird immer wieder durch Teile Aserbaidschans unterbrochen. Die Grenzübergänge zwischen Armenien und der Türkei sind noch immer geschlossen. Noch immer scheinen die Konflikte zwischen den Ländern nicht geklärt.  Gemäß meiner Recherche unterstützte die Türkei im Bergkarabachkonflikt Aserbaidschan, schloss die Grenze zu Armenien und verhängte eine Wirtschaftsblockade 1993, wodurch Armenien noch immer das ärmste Land des Kaukasus ist. Eine Normalisierung der Ereignisse ist scheinbar nicht zu erwarten, da Aserbaidschan und Armenien noch immer um die Ansprüche der Region Bergkarabach kämpfen. Erst 2020 eroberte Aserbaidschan dieses Gebiet und Teile des Kernlandes zurück. Die Türkei unterstützt weiterhin Aserbaidschan, sodass deren Ölvorkommen im Kaspischen Meer für sie weiterhin verfügbar bleiben. Diese Spannungen sind so präsent, dass sogar Sticker an den Reisemobilen der Overlander in Armenien nicht geduldet werden, die die türkische Flagge zeigen. Reisenden mit einem Stempel aus Armenien wird zudem in Aserbaidschan nicht der Grenzübertritt gewährt. Zusätzlich gilt hier noch immer ein allgemeiner Einreisestopp aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus. In den Wochen, in denen ich diesen Artikel schreibe, ist es sogar zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen den Ländern Armenien und Aserbaidschan gekommen und Armenien musste erneut Land an Aserbaidschan absprechen, um die Kämpfe zu beenden. Scheinbar nutzte Aserbaidschan den Truppenabzug Russlands im armenischen Grenzgebiet, um erneut anzugreifen. Russland gilt als Schutzmacht Armeniens und kann in Folge des Ukrainekrieges die notwendigen Truppen zum Schutz nicht mehr Vorort halten. Dennoch scheint die Durchreise Armeniens abseits der Grenzgebiete aktuell wieder möglich und sicher zu sein.

Mit diesem Basiswissen werden wir uns nun in unsere Abenteuer in dem Land stürzen:


Unsere Einreise nach Armenien gestaltet sich unproblematisch. Wir passieren die Grenze bei Sadakhlo und ein netter älterer Mann hilft uns an der armenischen Seite die Zollgebühren für das Auto zu bezahlen (25€/10.000Dram) und die notwendigen Dokumente zu erhalten. Nach dem Grenzposten holen wir uns noch schnell eine Sim-Karte und schließen online unsere armenische Autoversicherung (19€/30T aswa.am) ab.

...hier findest du alle Informationen zu den Einreisebestimmungen.

Unser erster Stopp im Land der Klöster ist natürlich auch ein Kloster. Es befindet sich in Haghpatavank und ist zum Teil in den Berg gebaut. Wir sind überrascht, wie dunkel und einfach die einzelnen Gebäude gehalten werden. Ohne viel Schnickschnack und Verzierungen aus Gold, so wie wir es von katholischen Kirchen gewohnt sind, wirken die Gebäude leer, doch zugleich majestätisch. Lediglich mehrere Becken mit leuchtenden Kerzen erhellen den Innenraum. Vereinzelt hören wir Stimmen, die die besondere Akustik dieser massiven Kuppeln vorsichtig ausprobieren. Hier und da hören wir jemanden singen.

Nach dem Sightseeing kommt der Hunger und mit dem Hunger die Suche nach dem passenden Restaurant. Wir wollen die armenische Küche entdecken und haben Glück. Am Fuße des Berges befindet sich direkt am Fluss ein gemütliches Restaurant mit mehreren kleinen Hütten. Wir bestellen viel zu viel, denn wir wollen alles ausprobieren.  Wie in Georgien, bekommt jeder Gast einen Teller, die verschiedenen Gerichte werden mittig auf den Tisch gestellt, sodass sich jeder von allem bedienen kann. Für Alex gibt’s traditionell gegrilltes Hühnchen vom Spieß, für mich Gemüse vom Grill, dazu eine Käseplatte, Nudeln und ein Salat, zusätzlich verschiedenes Brot. Für uns scheint die armenische Küche der georgischen sehr ähnlich zu sein. Viel Gegrilltes, wenig Vegetarisches. Für mich wird’s also die nächsten Wochen wieder mal schwieriger.

Das Reisen und Übernachten in dem eigenem Auto ist eigentlich immer mit dem Suchen von etwas bestimmt. Die Suche nach dem nächsten Schlafplatz, die Suche nach dem nächsten Lebensmittelladen oder nach der nächsten Sehenswürdigkeit auf dem Weg zum nächsten Schlafplatz. Unser heutiger Schlafplatz ist hoch oben entlang des Flusses an einem Picknickplatz aus Zeiten der Sowjetunion. Drei betonierte Pilze thronen hoch über der Landschaft und sollen den Besuchern Schatten spenden.

Von hier oben haben wir einen weiten Blick über das Tal, doch ein Gebäude sticht aus der Landschaft heraus, die hauptsächlich aus landwirtschaftlich genutzten Flächen und rudimentären Behausungen besteht.

Es ist ein hoch modernes Zentrum zur Unterstützung der Bildung von Kindern aus dem ländlichen Raum. Wir als angehende Architekten sind enorm interessiert und so halten wir am nächsten Morgen auf dem Parkplatz und bitten um eine Besichtigung. Leider dürfen wir nur von außen gucken. Zunächst wirkt alles sehr hochwertig, doch beim genauen Hinsehen fallen entdecken wir die ersten Mängel, die aus einer schlechten Verarbeitung der Materialien resultieren. Nichtsdestotrotz ist es für uns erstaunlich, dass ein solcher Entwurf hier umgesetzt wurde und Anklang gefunden hat. Die Ausstattung der Arbeitsplätz ist auf neustem Stand und es gibt verschiedene Räume für Kunst und Wissenschaft.

Gleich darauf fahren wir weiter flussaufwärts, bis wir die Berge und die Hochebene um den Sewansee erreichen, der der größte Süßwassersee des Kaukasus ist. Entlang des Weges besichtigen wir zuerst ein weiteres kleines Kloster, von dem nur noch Ruinen geblieben sind. Es befindet sich inmitten eines Waldstückes und das Moos breitet sich an den feuchten dunklen Wänden aus, die durch die unzähligen abgebrannten Kerzen über die Jahrhunderte verrußten. Der Schein durch die gebrochene Kuppel lässt das Kloster Motosawank wirken, als wäre es aus einem Herr der Ringe-Film entsprungen.

Die Stellplatzsuche am Sewansee gestaltet sich zeitintensiver als erwartet. Der Zugang zum See wird stellenweise durch verlassene sowjetische Hotelruinen versperrt. Die ersten Plätze, die wir anfahren, bestechen durch eine Schaar an Mücken und Abfall. Wir wagen einen letzten Versuch auf der nördlichen Seite des Sees und werden positiv überrascht. In einem kleinen Wäldchen direkt am Wasser bauen wir unser Nachtlager auf. Sogar eine Liege aus Holz steht neben einer Feuerstelle bereit. Wir sammeln herumliegendes Holz zusammen, entfachen das Feuer, sitzen dort noch bis tief in die Nacht hinein und lassen die letzten Wochen und Monate Revue passieren. Drei schüchterne Straßenhunde leisten uns Gesellschaft und weichen uns nicht mehr von der Seite.

Wir bleiben noch drei weitere Tage am Sewansee. Ungestört haben wir hier die Zeit und die Ruhe, Vergangenes und Zukünftiges zu besprechen. Während des Reisens bleibt hierfür meist neben den vielen Erlebnissen wenig Zeit. Alltägliche Themen z.B. unsere Beziehung betreffend oder die unterschiedlichen Erwartungen und Wünsche des einzelnen, finden nun Raum, um gehört zu werden. Hauptthema ist zurzeit die Einreise in den Iran. Die notwendigen Unterlagen haben wir bereits zusammen, doch die aktuellen Ereignisse im Land und die strenge Regierungsform bringen uns zum Nachdenken. Willkürliche Festnahmen, Hinrichtungen und Unterdrückung durch die Religion und den Staat sind omnipräsent in den Nachrichten und den Informationen des Auswärtigen Amtes. Dem Gegenüber stehen die unzähligen Reiseberichte, die nur positives berichten und von der Gastfreundschaft und der wunderschönen, besonderen Natur erzählen. Mir persönlich fällt es sehr schwer, hier die Balance zu finden und daraus zu entschieden, ob das Land für uns sicher ist, oder nicht. Zu den regulären Herausforderungen einer Langzeitreise kommen im Iran zudem die starke Hitze, enorme Entfernungen zwischen den Städten, die Erschwernis an Diesel zu kommen und die Einschränkungen meiner Rechte als Frau. Trotz langer Gespräche können wir uns noch auf keine Entscheidung einigen.

Am zweiten Tag treffen Birgit und Rainer bei ihrem Morgenspaziergang auf uns. Sie sind ebenfalls in ihrem Expeditionsmobil, einem modernen Mercedes Sprinter mit Kabine, unterwegs und haben einen Stellplatz nur wenige Meter weiter nördlich von uns gefunden. Sie kommen ebenfalls aus NRW und wir kommen schnell ins Gespräch. Sie erzählen uns von ihren bisherigen Erfahrungen in Armenien und der Freude am Reisen. Als sie sich am nächsten Tag nur schnell bei uns verabschieden wollen, führt eins zum anderen und wir sitzen bis spät in den Tag gemütlich in ihrem Benz. Wir hangeln uns von Geschichte zu Geschichte entdecken sogar gemeinsame Bekannte. Es ist immer wieder überraschend, wie klein die Welt doch ist.

Schneller, als wir es bemerken, vergeht die Zeit und der Tag ist bereits fast um. Obwohl Rainer und Birgit weiter in den Norden fahren wollten, beschließen sie, noch einen Nacht bei uns am Platz zu bleiben und den Abend mit uns zu verbringen. Da wir beide unsere Wasservorräte auffüllen müssen, fahren wir gemeinsam zur nächstgelegenen Quelle, die sich als Mineralwasserquelle entpuppt. Die roten Ablagerungen am Grund zeigen scheinbar den hohen Eisengehalt des Wasser an. Da wir den intensiven Geschmack der Minerale nicht gewohnt sind, kaufen wir zusätzlich noch das abgepackte Wasser aus dem kleinen Laden neben der Straße. Zurück am See sitzen wir noch lange gemeinsam am Feuer zusammen und profitieren von den vielen Erfahrungen, die Rainer und Birgit während ihrer vielen Reisen gemacht haben.

Am Vierten Tag müssen wir uns dann doch von unserem schönen Platz trennen, denn wir haben uns mit Caro und Hannes verabredet. Caro und Hannes alias @scotch_on_the_rocks_110 sind ebenfalls im Defender unterwegs und möchten mit uns gerne den Aragats besteigen. Der Aragats ist ein Berg mit ganzen vier Gipfeln. Zwei davon sind über 4000m hoch. Wir treffen uns in Aschtarak am Fuße des Berges zum ersten Beschnuppern und wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut. Zusammen geht es hoch auf 3600m zum Kari-See, wo wir unser Nachtlager aufschlagen.

Am nächsten Morgen geht es dann in voller Montur zum West-Gipfel, der auf 4001 Metern Höhe liegt. Hannes und Caro haben im Gegensatz zu uns schon einige Gipfel bestiegen und sind dem entsprechend bestens ausgerüstet. Der Anstieg dient ihnen als Vorbereitung zur 5-tägigen Gipfeltour am Kasbek in Georgien auf 5047 Höhenmetern. Neugierig und interessiert lauschen wir ihren Erfahrungen und Ratschlägen.

Gut beschilderte Wanderwege sind hier nicht zu finden und so laufen wir querfeldein grob der GPS-Route hinterher bis wir den Sattel, zwischen dem West- und dem Südgipfel, erreichen. In einem aus Steinen gebauten Windschutz genießen wir eine kurze Verschnaufpause und diskutieren den weiteren Verlauf des Weges.

Uns stehen zwei Möglichkeiten zum Anstieg des Westgipfels zur Verfügung. Möglichkeit Eins: Steil auf direktem Weg nach oben. Möglichkeit Zwei: in einem Bogen am Rücken des Berges etwas weniger steil hinauf. Da Alex und Ich keinerlei Bergsteigererfahrung aufweisen, entscheiden wir uns für den scheinbar einfacheren Weg. Schnell wird jedoch klar, auch hier ist wieder kein Pfad erkennbar. Geröll hat sich am kompletten Hang aufgestaut und obwohl wir uns intensiv bemühen den losen Abhang hinaufzuklettern, ohne Helm und mit der Steigung ist es uns zu gefährlich. Wir beschließen wir zum Sattel zurückzukehren.

Geschützt vor den starken Winden feiern wir unsere Anstrengung mit einem großen Stück Käse, Kräcker, Gurke, einer Cola und einem Snickers zur Belohnung. Zwar haben wir den Gipfel nicht erreicht, wir haben es aber trotz der schlechten Bedingungen einen Meter höher als die Spitze des Südgipfel auf 3880 Höhenmetern geschafft. Gut gestärkt gilt es nun für uns, wenigstens diesen Gipfel noch zu erklimmen und so steigen wir langsam den Steilhang zum Südgipfel hinauf. Der Blick von oben ins Tal entlang der Gipfel ist beeindruckend und jede Anstrengung wert.

Zügig marschieren wir den Berg wieder hinab zu unseren Autos, die schon sehnsüchtig auf uns warten. Da der Bergsee zugebaut und dadurch nicht wirklich schön ist, beschließen wir spontan bis nach Aschtarak zurückzufahren und dort unsere Anstrengungen mit einem deftigen Abendessen zu belohnen. Da Samstag hier scheinbar der Tag der Hochzeitsfeiern ist, sind alle Restaurants, die wir anfahren, ausgebucht und für uns geschlossen. Erst das vierte Restaurant bietet uns einen Tisch an und wir können unsere knurrenden Mägen endlich etwas zum Verdauen geben. Gemeinsam lassen wir den Abend gemütlich und zufrieden ausklingen und fahren gemeinsam zu einem Schlafplatz abseits der Städte. In einem Canyon bei einem kleinen Kloster holen wir uns unseren verdienten Schlaf.

Leider trennen sich bereits am nächsten Tag unsere Wege. Hannes und Caro müssen in wenigen Tagen in Georgien zur Gipfeltour und wir wollen weiter in Richtung Jerewan. Die kurze, jedoch intensive gemeinsame Zeit war von spannenden Gesprächen, einer lockeren Atmosphäre und einzigartigen Erfolgserlebnissen geprägt. Wir sind immer wieder überrascht, wie schnell und persönlich die Verbindungen zu anderen Overlandern werden und wie gut sich die Verbindungen knüpfen lassen. Wir hoffen, diese Verbindung halten zu können und Hannes und Caro bei der Rückreise in Deutschland zu besuchen.

Caro und Hannes geben uns noch einen letzten Tipp mit auf den Weg, in Jerewan soll es einen fantastischen Supermarkt mit einem riesigen Angebot an Käse, Gemüse und westlichen Marken geben. In Armenien sind diese Dinge sonst schwer zu unseren Ansprüchen zu finden und so kaufen wir ausgiebig und umfangreich voller Freude all diese Dinge ein. Auch haben uns die Beiden von einem speziellen Campingplatz erzählt, der nur eine Stunde von Jerewan entfernt ist. Hier soll es einen Pool, mehrere Küchen und alles, was das Overlanderherz begehrt, geben. Wir sind natürlich hellauf begeistert, machen uns voller Vorfreude auf den Weg und kaufen dementsprechend ein. Eine richtige Küche mit richtigen Töpfen und sogar einem Herd, davon konnten wir bisher nur träumen. Unterwegs halten wir spontan bei einem seltsam aussehendem Kreuz.  Es ist 33 Meter hoch und besteht tatsächlich aus 1.711 kleinen Kreuzen, die scheinbar die 1.711 Jahre darstellen, seit Armenien das Christentum zu seiner offiziellen Religion erklärt hat. Jedes Jahr erhält das Heilige Kreuz ein weiteres kleines. Wenn der Wind stark durch das Kreuz bläst, soll es wie eine Orgel klingen.

Im 3Gs Campingplatz angekommen, können wir es kaum glauben. Aus den geplanten vier Tagen werden ganz schnell neun und wir können uns kaum losreißen, so schön ist es.

Der 3Gs-Campingplatz wird von Sandra und Marty aus Holland betrieben und übertrifft all unsere Erwartungen. Die beiden sind so hilfsbereit und freundlich, dass wir uns direkt wie zuhause fühlen. Beim gemeinsamen Pizzaabend erzählen sie uns von dem Aufbau und den vergangen Jahren voller verschiedener Ereignisse.

Die erste Nächte sind wir nahezu allein im Camp und wir genießen die Ruhe. Im laufe der Zeit reisen immer mehr Overlander an, bis der ganze Parkplatz voll ist. Gegenüber von uns parkt der Unimoq von Marlene und Dani, mit denen ich einen Ausflug zur nächstgelegenen Sehenswürdigkeit mache, zur Symphonie der Steine. Entlang der Garni-Schucht haben sich Basalt Formationen aus sechseckige Pfähle wie eine Orgel 50 Meter in die Höhe geformt. Eine ähnliche Formation habe ich bereits an der Küste Nordirlands entdecken können, den Giants Causeway, und wie damals war ich von der Regelmäßigkeit und der Symmetrie der Formen begeistert.

Marlene und Dani sind seit zwei Jahren unterwegs und waren bereits drei Monate im Iran. Voller Begeisterung erzählen sie uns von dem Land, von den Gegebenheiten und den Herausforderungen. In ihrem Blog Ma'Dahin schreiben sie über ihre Erlebnisse und ihre wunderschöne Bilder laden zum Träumen und zum Fernweh ein.

Trotz der positiven Berichte sind wir uns noch immer nicht zu hundert Prozent sicher, ob wir das Abenteuer wagen. Erst als Patrick und Katrin alias @overlandchallengeat64 aus Belgien anreisen, sind wir fähig eine Entscheidung zu treffen. Im Juli sind sie losgefahren und Verbinden das Reisen mit geschäftlichen Terminen im Iran und den Vereinigten Emiraten. Patrick ist perfekt vorbereitet, hat Kontakte im Land und sogar an der Grenze. Sie wollen in drei Tage über die Grenze. Diese Chance lassen wir uns nicht entgehen. Kurzerhand schließen wir uns den beiden an. Bevor es jedoch weiter geht, besuchen wir gemeinsam noch das nahe gelegene Kloster Geghard. Katrin und ich nutzen das Angebot von Sandra und Marty mit dem Fahrrad die vier Kilometer zu fahren. Wir unterschätzen jedoch das ständige auf und ab der Straße und die streunenden Hunde am Straßenrand, die bellend auf uns zu rennen. Kein Wunder, dass wir interessiert beäugt werden, während wir uns bis zum Kloster abkämpfen. Alex und Patrick sind mit George bereits da, als wir ankommen. Das Kloster zählt zu den ältesten Armeniens und ist der Ort, indem das armenische Alphabet entwickelt wurde. Die Akustik der verschiedenen Räume ist gewaltig. Der erste Raum, der noch in den Fels geschlagen wurde, beeindruckt uns aufgrund der Dunkelheit und der Akustik am meisten. Über einen schmalen Gang seitlich des Hauptgebäudes kann dieser Raum erschlossen werden. Beinahe hätten wir ihn verpasst.

Zum krönenden Abschluss unserer Zeit im 3Gs veranstalten wir mit allen Overlandern eine erneute Pizzaparty mit abschließendem Arschbomben-Contest. Sogar unsere Freunde Nora und Luggi, mit ihrem Defender Hoppel, haben es noch nach Armenien zu uns ins 3G geschafft. Nachdem wir uns nach Tbilisi getrennt haben, haben sie noch viele Ecken Georgiens bereist. Wir blieben im Kontakt und da sie noch etwas Zeit hatten, bis sie wieder nach Deutschland umkehren, haben sie spontan beschlossen, Armenien als weiteres Land auf ihre Liste zu schreiben und uns zu besuchen. Die Freude bei uns war unbeschreiblich und das Wiedersehen wieder mal unglaublich herzlich, als würden wir uns seit Jahren kennen.

Endlich reißen wir uns los. In zwei Tagen fahren wir über acht Stunden zur Grenze. Erster Halt ist in direkter Nachbarschaft, der Tempel von Garni von ca. 150 n.Chr. Er ist der einzige Tempel in Armenien und ein Magnet für viel Armenier und Touristen, seitdem er in den 70er Jahren wieder aufgebaut wurde. Im Unterschied zu den griechischen Tempeln ist dieser aus Basalt gebaut, wodurch er seine einzigartige Farbe erhält, und ihn so auch für uns interessant macht.

Nächster Halt ist Jerewan. In der Hauptstadt Armeniens heben wir 600 Dollar ab, da wir im Iran unsere Kreditkarten, aufgrund der Sanktionen der westlichen Welt, nicht nutzen können. Eine solch große Menge Bargeld dabei zu haben, sind wir nicht gewohnt und wir haben kein gutes Gefühl dabei. An drei verschiedenen Orten im Auto verstecke ich das Geld. Sicher ist sicher. Von Jerewan fahren wir entlang des Fußes des Ararats zur Grenze. Das Bergpanorama ist wunderschöne und begeistert mich immer wieder aufs Neue.

Der Pass zur einzig möglichen Grenzstation zwischen Armenien und dem Iran fordert nochmal letzte Energien. Meist fahren wir maximal drei bis vier Stunden pro Tag. Heute sind es fast sieben. Der erste Abschnitt hält eine unscheibares Highlight für uns bereit. Ein Straßenschild mit dem Aufdruck: Armenische Seidenstraße. Endlich haben wir es schriftlich, wir sind auf den Spuren der antiken Seidenstraße unterwegs. Das Erfolgserlebnis treibt unsere Glücksgefühle in die Höhe und freudig posieren wir vor diesem kleinen Straßenschild.

Der letzte Teil des Passes schlängelt sich die Berge hoch und direkt wieder herunter. Wir haben Glück, dass die Straße mittlerweile geteert ist. Zusätzlich herausfordernd sind die dutzenden Trucks, die uns in den zu schmalen Kurven entgegenkommen und denen ich ausweichen muss, denn der Größere hat immer Vorrang. Dass die Natur in diesem Abschnitt Armeniens wirklich schön ist, fällt mir daher kaum auf und der Blick abseits der Straße ist bei mir als Fahrerin selten. Als wir endlich Meghri, die Grenzstadt erreichen, sind wir heilfroh. Wir geben unsere letzten Drams aus und bereiten alle Dokumente für den Grenzübergang vor. Unsere Drohne haben wir im 3Gs gelassen, da das Benutzen einer Drohne aufgrund der vielen Militärstandorte im Iran absolut nicht empfehlenswert ist.

Die Tage in Armenien vergingen wie im Flug. Dass wir hier so viele neue Freunde finden, sogar zur Ruhe kommen können und dass wir sogar den Weg in den Iran machen werden, hätten wir bei der Einreise nicht erträumen können. Wir freuen uns schon jetzt, nach einer vermutlich sehr intensiven und ereignisreichen Zeit im Iran wieder hierher zurück zu kommen, doch bis dahin  sind wir erstmal bereit für unser nächstes Abenteuer.


Die Anspannung steigt. Morgen treffen wir wieder auf Katrin und Patrick. Morgen verlassen wir Armenien und betreten neues unbekanntes Land. Morgen fahren wir in den Iran.

gez. Eileen

...hier siehst du unsere gesamte Route.


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bis Qaznvin