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Von Slowenien nach Bosnien & Herzegowina

Kann es denn noch besser werden, fragen wir uns, als wir Slowenien verlassen. Die Zeit im Soča-Tal hat uns spürbar begeistert. Von Bosnien & Herzegowina, im Weiteren kurz BiH, haben wir bisher nur gehört, dass das Land ein ‘Geheimtipp‘ unter den Overlandern ist. Wissbegierig und voll Vorfreude überqueren wir die Grenze zwischen Donji Varoš und Gradiška. Unser erster Stopp sind die heißen Quellen von Banja Luka. Dort angekommen erschlagen uns die 30°C Lufttemperatur. Ohne Klimaanlage und nur mit Luftzirkulation durch Fenster und Lüftungsklappen nahe des Motors ist es in George nicht auszuhalten. Wir entscheiden kurzerhand: Ab geht’s in die Mall. Hier gibt es tatsächlich alles, was uns im Moment glücklich machen könnte. Kühle Luft, etwas zum Essen, ein Supermarkt und eine SIM-Karte, da das Roaming in BiH kostenpflichtig ist. Im Supermarkt kaufen wir verschiedenes frisch gekochtes Essen, bei einem Netzanbieter bekommen wir 10GB Datenvolumen für 5€ und wir finden sogar ein Kino, in dem für drei Euro Eintritt der neue Teil von ‘Fantastische Tierwesen‘ läuft. Besser hätte es für uns nicht laufen können. Ein erfolgreicher Tag in der Mall.

Erfrischt, entertaint und gut genährt fahren wir abends erneut zu den Thermalquellen. Schnell begeben wir uns in unsere Badesachen und gesellen uns zu den anderen in den verschiedenen kleinen, steinigen Pools entlang des Flusses Vrbas. Warm kommt das Wasser hier aus dem Boden und wird von Pool zu Pool geleitet. Eine Erfrischung wiederum bietet der nebenher fließende kalte Fluss.

Next Stopp ist der Wasserfall in Jajce. Die enormen Wassermassen stürzen mitten in der Stadt den Abhang herunter. Wenn man gewillt ist, 4€ zu zahlen, kann man sogar nach unten auf eine große Plattform ganz nah an den Wasserfall heran und das Wasser auf der Haut spüren. Als großer Fan von Wasserfällen lasse ich mir das nicht entgehen.

Trotz der Abkühlung ist es uns immer noch viel zu warm. Nur kurz hat die Erfrischung angehalten und die Hitze erschlägt uns wieder. Ich habe keine Lust noch weiter in der Stadt zu bleiben und überrede Alex, dass wir schnell weiterfahren, denn unser nächstes Ziel ist der Buško Jezero in der Hochebene des Duvanjsko polje. Es handelt sich hierbei um den größten künstlichen Stausee Europas (ca. 58m²). Wir erhoffen uns, dass das Klima auf 716m ü. NN. deutlich erträglicher ist. Unterwegs überrascht uns ein kurzes, sinnflutartiges Gewitter mit Blitz und Donner. Nach intensiven 10 Minuten, ist es so schnell vorbei, wie es angefangen hat. Zurück bleiben tiefe Pfützen, die George voller Enthusiasmus durchfährt. Das Wasser spritz nur so auf die Windschutzscheibe. Sauberer wird er dadurch nicht, aber die Luft hat sich spürbar abgekühlt.

Das Gewitter ist nicht die einzige Überraschung auf unserem Weg zum Stausee. Da wir beide müde und schlapp von der Hitze im Tal sind, beschließen wir abseits der Straßen ein kleines Nickerchen zu machen. Im Geländegang des Verteilergetriebes schieben wir uns den Gipfel hinauf und bleiben in Nähe einer kleinen Schafsherde stehen. Die Aussicht ist unglaublich und es sind so gut wie keine Umgebungsgeräusche mehr wahrzunehmen.

Die Hochebene rund um Livno ist nicht nur für seine Landschaft, sondern auch für seine Wildtiere bekannt. In meiner Recherche über die Sehenswürdigkeiten Bosniens habe ich herausgefunden, dass es hier nur so von einem bestimmten Tier wimmelt, das wir natürlich sehen möchten. Es ist für die Bewohner der Ebene schon fast zu einer Plage geworden. Bevor wir uns schlafen legten, konnten wir jedoch noch keine der wilden Tiere entdecken. Zum Glück sind wir noch etwas dortgeblieben, denn so werden wir von einem mehrmaligen Hupen geweckt. Wo kommt dieses Hupen nur her? Hier oben war doch sonst niemand, außer uns. Nach kurzer Zeit der Orientierungslosigkeit, ist es ist uns klar. Da müssen die wilden Tiere sein. Schnell packen wir unsere sieben Sachen zusammen, steigen ein und fahren zur befestigten Straße hinunter. Hier wimmelt es nur so von Wildpferden. Unbeirrt von den Autos laufen sie über die Straße und grasen am Rand. Wir sind total begeistert. Früher wurden die Pferde als Nutztiere von den Bewohnern der Hochebene gehalten, doch seit den 70ern übernehmen Maschinen und Autos ihre Arbeit. Im Zuge dessen wurden sie frei gelassen und haben sich im Gebirge der Hochebene angesiedelt.

Überglücklich fahren wir weiter zur nächstgelegenen größeren Stadt Livno, kaufen etwas ein, essen in einem kleinen gemütlichen Restaurant und fahren im Dunkeln zum Stausee und zu unserem Stellplatz. Glücklicherweise hat Alex neue Zusatzscheinwerfer am Gepäckträger montiert. Im taghellen Licht finden wir den Ende des Weges und parken direkt am Strand des Sees. Erst am nächsten Morgen sehen wir, wie groß und wie schön der Stausee eigentlich ist. Wir sehen jedoch ebenfalls, wie viel Müll hier überall herumliegt. Zwischen den Büschen, im Sand, in den Parkbuchten. Dass der Müll nur von dem Campern kommt, bezweifeln wir. Alex schnappt sich kurzerhand Einweghandschuhe und die großen Müllsäcke und sammelt fleißig einiges an Müll zusammen. Benutzte Windel und Kondome, Zigaretten, Plastik- und Glasflaschen und sogar einzelne Schuhe befinden sich darunter. Ein großer sichtbarer Teil ist nun weg. Vielleicht animiert dies die Besucher des Strandes, ihren Müll mitzunehmen, anstatt ihn einfach in die wunderschöne Natur zu werfen.

Wir verbringen zwei entspannende Tage hier. Schwimmen im Meer, arbeiten am Blog, bringen George auf Vordermann und basteln eine Abdeckung für unser Reserverad auf dem Dach. So heiß, wie die Sonne brutzelt, muss ein Schutz für das Gummi des Reifens her. Eine einfache Plane sollte erstmal genügen.

Wir verlassen die Hochebene und fahren durch den Blidinje Nationalpark weiter nach Jablanica. Obwohl die Natur des Nationalparks sehr schön ist, halten wir hier nur für eine kurze Mittagszeit. Bis auf den Wintertourismus scheint alles erst im Aufbau zu sein und da wir bei dem heißen Wetter keine Wanderfans sind, beschließen wir weiterzufahren. Wieder im Tal besichten wir eine Gedenkstätte der Schlacht an der Neretva von 1943. Eine geziehlte Sprengung der Eisenbahnbrücke als Teil einer List verschafft dem Feldherrn Tito der Partisanen ein leichtes Spiel gegen die Wehrmacht. Die List bestand daraus, dass die Brücke behelfsmäßig wieder instand gesetzt wurde, sobald die Wehrmacht den Befehl zur Umsiedelung der Truppen gab, da diese von einer Flucht der Partisanen in den Norden ausgingen. Somit hatten sie ein leichtes Spiel gegen die dezimierte letzte Truppe und gewannen die Schlacht.

Etwas weiter in Donja Jablanica soll es angeblich das Weltbeste Lamm vom Spieß geben. Es soll nur hier so gut schmecken, da die Natur noch so ursprünglich und wild ist. Das würde man wiederum im Fleisch schmecken. Ich als Vegetarierin kann dem ganzen nicht viel abgewinnen und bestelle wieder mal ’grilled vegetables‘ [gegrilltes Gemüse]. Da ich aber interessiert bin, ob der Ruf sich bewahrheitet, überrede ich Alex, das Lamm zu probieren. Sein Fazit: „War sehr lecker, aber die Vergleichswerte fehlen.“ Er hat zwar schon des Öfteren Lamm gegessen, aber nicht mit dieser Zubereitungsart. Es fällt zudem auf, dass sich die Restaurants entlang der Straße nur so aufreihen, und alle bieten das Gleiche an. Ob die Beschreibung somit stimmt, ist schwer zu sagen. Die Aussicht war es auf jeden Fall!

Unseren 200. Reisetag verbringen wir hoch auf einem Berg. Dass wir eigentlich bei dem Wetter nicht wandern wollen, hat sich nicht geändert. Dennoch erklimmen wir 900 Höhenmeter in zwei Stunden bis zum Aussichtspunkt an der Hütte Žlijeb. Grund dafür ist, dass wir Zeit schinden müssen und keine extra Strecke mehr fahren wollen. Es ist Samstag und George braucht wieder mal unsere Zuwendung und professionelle Hilfe. Seit gestern Abend hören wir ein blecherndes Motorgeräusch, sobald man vom Gas geht. Eine freie Land Rover Werkstatt finden wir über Google in BiH nicht. Lediglich ein Autohaus und ein Ersatzteileladen wird uns in Sarajevo angezeigt. Wo Ersatzteile gebraucht werden, muss es auch eine Werkstatt geben, die sich auskennt, so erstmal die Idee. Also nutzen wir die Möglichkeiten an unserem Übernachtungsplatz, wandern, und werden mit einem großartigen Ausblick belohnt. Wir bleiben optimistisch, dass sich die Reparatur genauso erfolgreich entwickelt, wie unsere Wanderung.

gez. Eileen